Immobilienmarkt 2026: Savills erwartet kräftiges Wachstum der Investitionen in Europa
Der europäische Immobilienmarkt markiert im Jahr 2026 einen deutlichen Wendepunkt und lässt die Phase der abwartenden Zurückhaltung hinter sich. Analysten des Immobiliendienstleisters Savills prognostizieren eine signifikante Belebung der Transaktionsaktivitäten, wobei Deutschland als einer der zentralen Motoren dieser Entwicklung fungiert. Mit einem erwarteten Anstieg des europäischen Investitionsvolumens um rund 16 % im Gesamtjahr 2026 und einer Fortsetzung dieses Trends im Folgejahr festigt sich das Vertrauen der Marktteilnehmer spürbar. Diese Dynamik wird durch stabilisierte Finanzierungskonditionen und eine sukzessive Bodenbildung bei den Preisen gestützt, was sowohl für institutionelle Akteure als auch für private Anleger neue Handlungsspielräume eröffnet.
Savills-Prognose: Der europäische Markt im Aufwind
Die aktuellen Daten von Savills zeichnen ein optimistisches Bild für den europäischen Immobilien-Investmentmarkt. Das Investitionsvolumen — also die Gesamtsumme aller in einem bestimmten Zeitraum getätigten Immobilienkäufe — soll bereits im ersten Quartal 2026 die Marke von 52 Milliarden Euro erreichen. Dies entspricht einem Zuwachs von 6 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders bemerkenswert ist die langfristige Perspektive: Für das gesamte Jahr 2026 wird ein Wachstum von etwa 16 % prognostiziert, während für das Jahr 2027 sogar ein Plus von 17 % im Raum steht.
Diese Entwicklung konzentriert sich primär auf die sogenannten Kernmärkte Deutschland, Großbritannien und Frankreich. In diesen Ländern wird im Jahresverlauf mit einer stetig steigenden Investitionsaktivität gerechnet. Ein wesentlicher Treiber ist das sogenannte "Core Capital", worunter man Kapital von langfristig orientierten, konservativen Investoren versteht, die vor allem in risikoarme Immobilien in exzellenten Lagen investieren. Diese Anlegergruppe agiert derzeit selektiv und legt großen Wert auf widerstandsfähige Erträge sowie die Einhaltung strenger Nachhaltigkeitskriterien.
Preisgefüge und Marktdynamik in Deutschland
In Deutschland zeigt sich im Frühjahr 2026 eine Stabilisierung der Immobilienpreise auf einem moderaten Niveau. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Immobilien lag im Februar 2026 bei 3.129 Euro. Ein Blick auf die verschiedenen Segmente verdeutlicht dabei feine Unterschiede: Während Eigentumswohnungen im Schnitt für 3.254 Euro pro Quadratmeter gehandelt wurden, lag der Preis für Häuser mit 2.841 Euro pro Quadratmeter etwas darunter. Diese Werte verdeutlichen die Erholung nach einer Phase der Korrektur, wenn man berücksichtigt, dass der Immobilienpreisindex im Jahr 2024 noch bei 97,60 Punkten notierte. Unter einem Immobilienpreisindex versteht man eine statistische Kennzahl, welche die Preisveränderungen von Immobilien über einen längeren Zeitraum hinweg vergleichbar macht.
Ein wichtiges Signal für Marktbeobachter ist die kurzfristige Preisentwicklung. Im Februar 2026 stiegen die Preise in Deutschland im Vergleich zum Vormonat um 0,5 %. Auch wenn dies auf den ersten Blick gering erscheinen mag, deutet es auf eine nachhaltige Trendwende hin. In den Metropolen, also den großen wirtschaftlichen Ballungszentren des Landes, verzeichnete der Markt bereits im ersten Quartal 2026 ein positives Wachstum, was die Attraktivität urbaner Lagen unterstreicht.
Finanzierungskonditionen als Stabilitätsanker
Ein entscheidender Faktor für die Rückkehr der Investoren ist die Berechenbarkeit der Finanzierungskosten. Im Januar 2026 lagen die Effektivzinssätze für Wohnungsbaukredite bei 3,86 %. Der Effektivzinssatz ist eine Kennzahl, die die jährlichen Gesamtkosten eines Kredits unter Berücksichtigung von Zinsen und weiteren Gebühren transparent macht. Mit diesem Zinssatz hat sich das Niveau deutlich unter den Spitzenwerten der vergangenen Jahre eingependelt, was die Kalkulationssicherheit für Käufer massiv erhöht.
Für Projektentwickler und Investoren bedeutet diese Stabilisierung, dass Projektkalkulationen wieder auf einem soliden Fundament stehen. Eine Projektkalkulation ist die detaillierte finanzielle Vorausplanung eines Bauvorhabens, bei der Baukosten, Zinsen und erwartete Mieteinnahmen gegenübergestellt werden. Wenn die Zinskosten planbar bleiben, sinkt das Risiko für unvorhergesehene Kostensteigerungen während der Bauphase. Dies führt dazu, dass wieder vermehrt Kapital in den Neubau und in umfangreiche Sanierungen fließt, was langfristig das Angebot am Markt stabilisieren könnte.
Fokus auf ESG und erstklassige Büroimmobilien
Ein markanter Trend innerhalb der Savills-Prognose ist die Rückkehr des Vertrauens in erstklassige Büroimmobilien. Hierbei steht jedoch nicht mehr das gesamte Segment im Fokus, sondern gezielt Objekte, die modernen Anforderungen entsprechen. Ein zentraler Begriff ist hierbei die ESG-Konformität. ESG steht für Environmental, Social and Governance und bezeichnet Kriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung, nach denen die Nachhaltigkeit einer Immobilie bewertet wird.
Investoren suchen verstärkt nach Objekten, die energieeffizient sind und moderne Arbeitswelten ermöglichen. Solche Immobilien gelten als besonders "widerstandsfähig" gegenüber Marktschwankungen, da sie eine hohe Vermietungsquote und stabile Mieteinnahmen versprechen. Der Markt trennt sich hierbei zunehmend in zwei Kategorien: Hochwertige, nachhaltige Objekte in Top-Lagen verzeichnen eine steigende Nachfrage, während ältere Bestandsimmobilien ohne energetische Sanierung es schwerer haben, Kapital anzuziehen. Diese selektive Strategie des Core Capitals sorgt dafür, dass die Qualität des Portfolios insgesamt steigt.
Einordnung für Investoren
Die aktuellen Prognosen und Marktdaten für das Jahr 2026 zeichnen ein Bild vorsichtigen Optimismus. Für Investoren ergibt sich daraus eine veränderte Ausgangslage im Vergleich zu den Vorjahren. Die Kombination aus einem prognostizierten Anstieg des Investitionsvolumens um 16 % und stabilisierten Zinssätzen bei rund 3,86 % schafft ein Umfeld, in dem strategische Entscheidungen wieder auf einer verlässlicheren Datenbasis getroffen werden können. Die Talsohle bei den Preisen scheint durchschritten, wie das leichte monatliche Plus von 0,5 % im Februar 2026 nahelegt. Dennoch bleibt der Markt anspruchsvoll. Die Konzentration auf ESG-konforme Objekte zeigt, dass Nachhaltigkeit kein Modethema mehr ist, sondern eine harte ökonomische Notwendigkeit für den Werterhalt.
Chancen bieten sich insbesondere dort, wo die Nachfrage das Angebot weiterhin übersteigt, was vor allem in den deutschen Metropolregionen der Fall ist. Das Risiko liegt hingegen in einer zu optimistischen Einschätzung der Sanierungskosten bei älteren Bestandsgebäuden, da die regulatorischen Anforderungen an die Energieeffizienz weiter steigen. Investoren sollten daher genau prüfen, ob ein Objekt den künftigen Standards entspricht, um einen "Stranded Asset"-Status zu vermeiden — also den Zustand, in dem eine Immobilie aufgrund mangelnder Effizienz kaum noch marktfähig ist. Die Rückkehr des Kapitals in den Markt ist ein positives Signal, erfordert jedoch eine tiefgehende Analyse der individuellen Objektqualität und der lokalen Standortfaktoren.
Für eine individuelle Bewertung empfiehlt sich die Beratung durch einen qualifizierten Immobilienexperten oder Steuerberater.
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Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder steuerliche Beratung dar. Alle Angaben basieren auf den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verfügbaren Daten und Prognosen. Immobilieninvestitionen sind mit Risiken verbunden, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Eine Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Inhalte wird nicht übernommen.
Quellen
- cash-online.de
- Deutsche Bundesbank – Zeitreihe BBK01.WPWQ01.Q, 2024
- destatis.de
- bundesbank.de
- bund.de
- kfw.de
- bund.de
- ifo.de



